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Reutte am Lech: Marktgeschichte, Zeillerkunst und Außerfern

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Reutte liegt im Außerfern am Lech und verbindet eine historisch gewachsene Marktmitte mit der Flusslandschaft des Talkessels. Der Lechübergang, der Handel und die Verwaltung machten den Ort zum Zentrum der Region. Fassaden der Malerfamilie Zeiller, das Museum im Grünen Haus und die benachbarte Festungslandschaft Ehrenberg zeigen, wie eng Orts-, Kunst- und Regionalgeschichte hier zusammenhängen.

Kurzfakten zu Reutte am Lech

  • Reutte wurde 1278 erstmals als „Ruthi prope Breitenwanch“ schriftlich erwähnt.
  • Eine Brücke über den Lech ist 1464 belegt; sie stärkte Reuttes Bedeutung als Handelsort.
  • Erzherzog Siegmund erhob Reutte am 5. Juni 1489 zum Markt.
  • Das Grüne Haus am Untermarkt beherbergt ein Museum und trägt ein Fassadenfresko von Johann Jakob Zeiller.
  • Der Hahnenkamm mit der Höfener Alm liegt in der Nachbargemeinde Höfen.

Vom Lechübergang zum Markt im Außerfern

Die erste gesicherte Nennung Reuttes stammt aus dem Jahr 1278. Der Ortsname erscheint damals als „Ruthi prope Breitenwanch“ – Reutte bei Breitenwang. Die Gemeindechronik beschreibt den Ort als Rodungssiedlung und Tochtersiedlung Breitenwangs. Seine überregionale Bedeutung gewann Reutte durch Verkehrswege: Eine verkürzte Straßenführung und der Bau einer Brücke über den Lech im Jahr 1464 verbesserten den Übergang und stärkten den Handel.

Am 5. Juni 1489 erhob der Tiroler Landesfürst Erzherzog Siegmund Reutte zum Markt. Der Markt wurde damit zum sichtbaren Mittelpunkt einer Region, deren Wege durch den Lechtalraum und über die Pässe führten.

1604 verlegte der Pfleger von Ehrenberg seinen Sitz nach Reutte; damit wurde der Ort auch Sitz des Gerichts Ehrenberg. Ein Angebot zur Stadterhebung lehnte Reutte 1743 aus finanziellen Gründen ab. Im 19. Jahrhundert wuchsen Verwaltungsaufgaben hinzu. Seit 1868 ist Reutte Sitz der Bezirkshauptmannschaft. Der Ausbau als Wirtschafts-, Schul- und Bildungszentrum festigte seine Rolle als Zentralort des Außerfern.

Zeillerhäuser und Kunst am Untermarkt

Im Untermarkt liegen die Spuren der Reuttener Malerfamilie Zeiller dicht beieinander. Das Zeillerhaus am Zeillerplatz war Wohn- und Arbeitsstätte der Familie. Ihre Lebenswege verbinden Reutte mit der Kunst des Spätbarocks und mit Aufträgen weit über den Ort hinaus.

Das benachbarte Grüne Haus am Untermarkt 25 beherbergt das Museum. Sein barocker Fassadenschmuck stammt von Johann Jakob Zeiller. In der Sammlung treffen Gemälde und sakrale Kunst auf regionale Wirtschafts- und Alltagsgeschichte. So führt der Blick vom gestalteten Bürgerhaus in die Geschichte des Außerfern: Die Stadtfassade ist selbst Teil des kulturellen Zeugnisses, während Museumsobjekte weitere Lebens- und Arbeitsbereiche erschließen.

Auch die Pfarr- und Klosterkirche St. Anna bewahrt bedeutende Kunst. Zu ihren Werken zählt die spätgotische Madonna Anna Selbdritt von Jörg Lederer aus dem Jahr 1510. Zusammen mit dem ehemaligen Franziskanerkloster erinnert die Kirche an die religiöse Bedeutung des Marktes. Bürgerhäuser, sakrale Kunst und Verwaltungsbauten erzählen verschiedene Kapitel derselben Ortsgeschichte.

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Lechlandschaft und Nachbarorte

Reutte liegt im Talkessel, wo sich Siedlungsräume, Verkehrswege und der Lech begegnen. Der Fluss prägt den Landschaftsraum des Außerfern; weiter talaufwärts und talabwärts wechseln sich Gemeinden und offene Flächen entlang seines Laufs ab. Weißenbach am Lech zeigt einen anderen Abschnitt des Flusskorridors am Übergang zum Gaichtpass. Der Ortsvergleich macht sichtbar, wie stark der Lech die Beziehungen zwischen den Gemeinden bestimmt.

Höfen liegt als Nachbargemeinde am Hahnenkamm.

Auch die Anlagen von Ehrenberg liegen in der Umgebung von Reutte und stehen in engem Zusammenhang mit der Geschichte des Gerichts. Graf Meinhard II. ließ die Festung zum Schutz und zur Verwaltung seiner Tiroler Gebiete errichten; 1296 sind Burg und gleichnamiges Gericht sicher belegt. Zu den vier Anlagen des Ensembles zählen die Klause, die Burgruine Ehrenberg, die Festung am Schlosskopf und Fort Claudia. Das benachbarte Ehenbichl liegt am Schlossberg im Lechraum. Der übergeordnete Beitrag Außerfern, Reutte und das Lechtal stellt Reutte in den regionalen Zusammenhang.

Häufige Fragen zu Reutte

Warum wurde Reutte 1489 zum Markt erhoben?

Reutte hatte durch Lechbrücke, Straßenverbindung und Salzhandel bereits eine zentrale Lage gewonnen. 1488 erhielt der Ort das Recht auf einen Wochenmarkt und zwei Jahrmärkte; 1491 kam das Recht zur freien Bürgeraufnahme hinzu. Mit dem Marktrecht erhielt der Ort eine dauerhaft hervorgehobene Stellung im Außerfern.

Wer waren die Zeillers?

Die Zeillers waren eine Reuttener Malerfamilie. Johann Jakob Zeiller (1708–1783) wurde kaiserlicher Hofmaler, Franz Anton Zeiller (1716–1794) bischöflicher Hofmaler. Das Zeillerhaus und das Fresko am Grünen Haus erinnern im Ortszentrum an ihre Herkunft und ihr Werk.

Liegt der Hahnenkamm in Reutte?

Der Hahnenkamm und die Höfener Alm gehören zum Berggebiet der Nachbargemeinde Höfen. Höfen liegt rund vier Kilometer von Reutte entfernt. Dort startet die Hahnenkammbahn in das Gebiet der Höfener Alm.