Krampus und Perchten in Tirol: Figuren und Geschichte
Glocken, geschnitzte Holzmasken und schwere Gewänder prägen viele Tiroler Krampus- und Perchtenbräuche. Die Figuren treten besonders im Advent und in den Rauhnächten auf; ihre Namen, Aufgaben und historischen Deutungen unterscheiden sich nach Ort und Überlieferung.
Kurzfakten zu Krampus und Perchten in Tirol
- Der Krampus ist eine Adventsfigur und begleitet in Tirol den heiligen Nikolaus.
- Krampusse sind in Tiroler Nikolausspielen des 18. Jahrhunderts belegt; Perchten im 17. Jahrhundert.
- Die Erklärung, Perchten sollten Wintergeister vertreiben, ist erst seit der Romantik im 19. Jahrhundert belegt.
- Regionale Namen sind unter anderem Tuifl, Peaschtl, Krampal und Kleibeife.
- Larven, Gewänder, Glocken, Trommeln und örtliche Abläufe werden von Gruppen gepflegt.
Krampus und Nikolaus: Begleiter im Advent
Der Krampus gehört zum Nikolausbrauchtum der Adventszeit. In Tirol tritt er als wilder Begleiter des heiligen Nikolaus auf. Die Figur begegnet in Nikolausspielen der Gegenreformation, in denen der Krampus auch eine erzieherische Rolle hatte. Heute ziehen Krampusgruppen in vielen Orten bei Umzügen durch Straßen und Plätze. Ihre Auftritte verbinden geschnitzte Masken mit regionalen Kostümen, Glocken, Trommeln und choreografierten Bewegungen.
Die Kostümformen sind örtlich geprägt. Im Tiroler Unterland treten beispielsweise „Peaschtl“ auf, deren Gruppen sich in Passen organisieren. In Kramsach werden schwere Kostüme aus getrockneten Maisbrakteen gefertigt; geschnitzte Holzmasken heißen Larven. Im Tiroler Oberland sind Tuifl eine gebräuchliche Bezeichnung, in Haiming haben sich neben Fellgewändern auch rote Hosen etabliert. Diese Einzelheiten beschreiben örtliche Praktiken und stehen für die Vielfalt der Tiroler Bräuche, nicht für ein landesweit einheitliches Kostüm.
Perchten und die Geschichte der Rauhnachtsbräuche
Perchten werden in Tirol mit der Sagengestalt Perchta und mit Maskenbräuchen der Rauhnächte in Verbindung gebracht. Die Rauhnächte zwischen Weihnachten und Dreikönig sind seit Jahrhunderten mit Verkleidungen und maskierten Umzügen verbunden. Brauchtumsforscher Karl C. Berger ordnet die Entwicklung als komplex ein: Die Perchta ist als Figur im Spätmittelalter im Zusammenhang mit dem Fest der Erscheinung des Herrn belegt; einzelne Sagelemente können Bezüge zu vorchristlicher Zeit haben.
Auch die Deutung als Geistervertreibung hat eine zeitlich nachvollziehbare Geschichte. Die Tiroler Brauchtumsdarstellung verortet sie erst seit der Romantik im 19. Jahrhundert. Der Krampus, der Perchtenbrauch und unterschiedliche Rauhnachtsrituale haben sich teilweise überlagert, bilden aber keine einzige, überall gleiche Tradition. Für kulturelle Hintergründe und weitere regionale Ausdrucksformen bietet Kulturelles in Tirol einen ergänzenden Einstieg.
Örtliche Namen, Masken und Abläufe
Im Tiroler Unterland heißen bestimmte Perchtengruppen „Peaschtl“. In Orten wie Breitenbach, Angerberg und Mariastein pflegen Passen traditionelle Holzmasken und ziehen von Haus zu Haus. Bei Auftritten in der Region um Rattenberg prägen Trommelrhythmen auf ausrangierten Metallbehältern und ein Hexentanz den Abend. In Osttirol werden die Krampusfiguren „Kleibeife“ genannt. In Matrei in Osttirol kennzeichnen schwere Glocken und große Masken lokale Auftritte; ein eigener Brauch heißt dort „Tischzoichn“.
Auch die Rollen innerhalb einer Pass unterscheiden sich. In Kramsach übernehmen etwa „Tamperer“, „Hex“ und „Läufer“ bestimmte Aufgaben; die Trommler halten den Rhythmus der Gruppe. Kostüme werden in Handarbeit genäht, Larven geschnitzt und wieder instand gehalten. Manche Gruppen legen Wert auf überlieferte Formen, andere verbinden traditionelle Elemente mit neuen Einflüssen. So bleibt das Brauchtum lebendig, während jede Pass eigene Vorstellungen von Masken, Gewändern und Ablauf bewahrt.
Krampuslauf als Teil des Tiroler Festkalenders
Krampusläufe finden überwiegend rund um den Nikolaustag Anfang Dezember statt; Perchtenläufe können in den Rauhnächten bis Dreikönig liegen. Nikolaus- und Perchtenläufe gehören zum winterlichen Festkreis, während Fasnacht in Tirol mit eigenen Maskentypen und Umzugsrhythmen die Tage vor der Fastenzeit prägt. Tirols traditionelle Feste folgen den Jahreszeiten und örtlichen Feiertraditionen.
FAQ zu Krampus und Perchten
Was unterscheidet Krampus und Percht?
Der Krampus ist im Tiroler Advent der wilde Begleiter des Nikolaus. Perchten gehören zu anderen, mit Perchta und Rauhnachtsbräuchen verbundenen Überlieferungen. In manchen Regionen sind die Figuren und Bezeichnungen miteinander verschmolzen.
Stammen Krampus und Perchten nachweislich aus vorchristlicher Zeit?
Die historische Entwicklung ist vielschichtig. Krampusse sind in Tiroler Nikolausspielen des 18. Jahrhunderts belegt, Perchten bereits im 17. Jahrhundert. Die Erklärung der Wintergeistervertreibung taucht in dieser Form erst im 19. Jahrhundert auf.
Warum heißen Gruppen in Tirol unterschiedlich?
Dialekt, örtliche Entwicklung und eigene Gruppenformen prägen die Namen. Je nach Region sind etwa Tuifl, Peaschtl, Krampal oder Kleibeife gebräuchlich.