Anklöpfeln in Tirol: Lieder und Hausbesuche
In den Wochen vor Weihnachten ziehen im Tiroler Unterinntal Anklöpfler als Hirten verkleidet von Haus zu Haus. Ihre Lieder erzählen von der Geburt Jesu, während Gastfreundschaft, örtliche Vereine und gemeinsames Singen den Brauch tragen.
Kurzfakten zum Anklöpfeln in Tirol
- Das Anklöpfeln ist im Tiroler Unterinntal beheimatet und wurde 2011 in das österreichische Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
- Traditionell besuchen Sänger an den drei Donnerstagen vor Weihnachten Nachbarhäuser.
- Die Gruppen treten häufig als Hirten verkleidet auf und singen Lieder zur Geburt Jesu.
- Vereine und Nachbarschaften geben den Brauch weiter; heute gehören auch Auftritte bei Veranstaltungen dazu.
- Das Staner Anklöpfeln ist eine eigene zehnjährliche Ausprägung mit Figuren und einem inszenierten Zug.
Ein Adventbrauch im Tiroler Unterinntal
Anklöpfeln bezeichnet das klopfende Ankündigen der Gruppe, die in der Adventzeit Häuser besucht. Im Tiroler Unterinntal sind die Sänger traditionell als Hirten gekleidet. Werden sie hereingebeten, bringen sie Lieder vor, die die Geburt Jesu verkünden. Oft begleitet Musik den Gesang. Der Besuch verbindet die Erzählung der Weihnachtsgeschichte mit einer Form nachbarschaftlicher Gastfreundschaft: Die Bewohnerinnen und Bewohner öffnen ihre Häuser, hören zu und bewirten die Gruppe mit einem Getränk, Weihnachtsgebäck oder einer kleinen Jause.
Im Tiroler Unterinntal heißt der Brauch Anklöpfeln; verwandte Dialektformen wie Anklöckeln und Klöckeln begegnen auch in anderen Regionen. Hausbesuch, Hirtenkleidung und Weihnachtslieder prägen die lokale Ausführung. Diese örtliche Prägung gehört zum kulturellen Reichtum im Brauchtum Tirols. Das Anklöpfeln gehört zum Adventsabschnitt der traditionellen Feste in Tirol.
Die Klöpflnächte und ihre heutige Praxis
Der klassische Zeitraum umfasst die drei Donnerstage vor Weihnachten, die sogenannten Klöpflnächte. Die Österreichische UNESCO-Kommission beschreibt zugleich, wie sich die Praxis verändert hat: Hausbesuche finden nicht mehr ausschließlich an diesen Abenden statt. Gruppen treten auch bei Feiern und Veranstaltungen auf, und neben altem Liedgut nehmen sie neuere Lieder in ihr Repertoire auf. So bleibt der Brauch für örtliche Sängergruppen anschlussfähig und wird in verschiedenen Formen weitergegeben.
Im Unterinntal sind Gesangsvereine und eigene Anklöpfelvereine beteiligt. Auch die Nachbarschaften gehören zur Tradition, weil die Hausbesuche sie unmittelbar einbeziehen. Erhaltene Lieder, Kostüme und die Weitergabe innerhalb der Gruppen bilden eine gemeinsame Grundlage. Häufig sammeln die Anklöpfler erhaltene Geldgaben in der Vereinskasse für einen karitativen Zweck.
Das Staner Anklöpfeln: eine eigene Form
In Stans hat das Anklöpfeln eine besondere dramaturgische Form. Die Österreichische UNESCO-Kommission dokumentiert es seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Brauch findet nur alle zehn Jahre an Samstagen im Advent statt. Ein Zug mit verschiedenen Figuren besucht ausgewählte Bauernhöfe und Gasthäuser und bringt dort seine Lieder vor. Zu den Rollen gehören ein Hoher Priester, Bacchus, Ministranten und etwa 25 Leviten.
Die Dorfbevölkerung gestaltet die Vorbereitung mit. Die Gemeinde bewahrt das Gesangsbuch, Darsteller halten Kostüme bereit, ein Chor übt die Lieder ein und die Feuerwehr kümmert sich um Baumbärte. Ablauf und Besonderheiten werden vor allem mündlich von einer Generation an die nächste weitergegeben. Der seltene Turnus macht sichtbar, wie langfristig gemeinschaftliche Vorbereitung ein Brauchtum tragen kann. Stans liegt im Inntal nahe Schwaz, am Übergang zum Achensee- und Karwendelraum (Achensee, Karwendel und Schwaz).
Anklöpfeln neben anderen Adventbräuchen
Das Anklöpfeln ist ein musikalischer Hausbesuchbrauch. Es ist von Krampus- und Perchtenläufen zu unterscheiden, bei denen Masken, Glocken und Figuren im Freien auftreten. Zugleich gehört es in die Reihe Tiroler Traditionen, die Advent und Weihnachten prägen: Krippenkunst verbindet das Fest mit handwerklicher Gestaltung, während Lieder und Besuche Gemeinschaft schaffen. Die Krampus- und Perchtenläufe bringen Masken und Glocken ins Freie; die Tiroler Krippenkunst gestaltet Weihnachten mit geschnitzten Figuren und Kulissen. Musik, Handwerk und örtliche Praxis gehören zum kulturellen Leben in Tirol.
FAQ zum Anklöpfeln
Wann ziehen Anklöpfler im Tiroler Unterland von Haus zu Haus?
Traditionell besuchen die Gruppen an den drei Donnerstagen vor Weihnachten ihre Nachbarschaft. Heute finden Auftritte auch an anderen Abenden und bei Veranstaltungen statt.
Welche Lieder singen die Anklöpfler?
Sie stimmen Lieder an, die die Geburt Jesu verkünden. In Stans gehören dazu ein Anklöpflerlied und ein Bettlerlied, deren Strophen auch gesellschaftliche Themen aufgreifen.
Wie oft findet das Staner Anklöpfeln statt?
Die besondere Staner Form wird alle zehn Jahre an Samstagen im Advent aufgeführt. Die Dorfgemeinschaft bereitet sie über lange Zeit gemeinsam vor.