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Augustinermuseum Rattenberg: Klosterkunst und Geschichte

Im ehemaligen Augustiner-Eremitenkloster von Rattenberg treffen mittelalterliche Baukunst, gotische Skulpturen und barocke Kirchenkunst aufeinander. Das Augustinermuseum ist deshalb zugleich Kunstsammlung und historischer Klosterraum: Kreuzgang, Kapellen, Kirche und Dachstuhl erschließen verschiedene Schichten der Tiroler Kulturgeschichte.

Kurzfakten zum Augustinermuseum Rattenberg

  • Ort: Das Museum liegt in der Klostergasse 95 in Rattenberg im Tiroler Unterland.
  • Kloster: Die Anlage wurde 1391 eingeweiht und 1971 als Kloster aufgelassen.
  • Sammlung: Der gotische Kreuzgang zeigt Skulpturen aus der Zeit von etwa 1420 bis 1520.
  • Kirche: Das Kuppelfresko „Augustinerhimmel“ wurde 1711 vollendet.
  • Saison: Das Museum ist regulär vom 1. Mai bis 26. Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet; letzter Einlass ist um 16.30 Uhr.

Ein Kloster prägt die Geschichte Rattenbergs

Rattenberg lag im Mittelalter an einer wichtigen Verkehrs- und Handelsroute. Der Pfandinhaber Johann Kummersbrucker stiftete das Augustiner-Eremitenkloster, damit die Ordensbrüder die geistliche Betreuung der Stadt und ihrer Besucher übernahmen. Die Weihe erfolgte am 26. November 1391. Kummersbrucker und seine Frau Anna von Castelbarco wurden in der Klosterkirche bestattet; ihr Grabmal gehört zu den bedeutenden spätmittelalterlichen Denkmälern des Landes.

Brände in den Jahren 1427 und 1482 zerstörten Teile der Anlage. Von der spätmittelalterlichen Bauphase zeugen unter anderem die Hoferkapelle von 1494 und der gotische Kreuzgang. 1817 übernahmen die Serviten das Kloster, das sie bis zu seiner Auflassung 1971 führten. Nach Restaurierung und Umbau wurde das Museum 1993 eröffnet. Die Räume selbst gehören zum Verständnis der Sammlung: Architektur und Kunstwerke bilden einen gemeinsamen Rundgang. Das Kulturprofil Tirols stellt solche Bau- und Kunstorte in einen größeren regionalen Zusammenhang.

Gotische Skulpturen im Kreuzgang

Der Kreuzgang ist der Schwerpunkt des Museums. Seine gotischen Skulpturen stammen überwiegend aus der Zeit zwischen etwa 1420 und 1520. Dazu zählen eine Pietà um 1420, eine sitzende Madonna mit Kind um 1440 und Figuren aus dem Umkreis des Bildhauers Andreas Lackner. Die Werke sind in einem Raum ausgestellt, dessen spätgotische Gewölbe die Kunst ihrer Entstehungszeit unmittelbar umgeben.

Auch das Grabmal des Klosterstifters ist Teil dieses geschichtlichen Zusammenhangs. Johann Kummersbrucker und Anna von Castelbarco sind als ganze Figuren dargestellt; der spätmittelalterliche Grabstein verdeutlicht die Funktion des Klosters als religiöser und familiärer Erinnerungsort. Wer die Entwicklung von Tiroler Bauwerken und Kunst vom Mittelalter bis in die Neuzeit vergleichen möchte, findet im Beitrag Antikes und Historisches in Tirol weitere Epochen und Orte.

Altargerät, Gewänder und religiöse Volkskunst

In der ehemaligen Sakristei steht liturgisches Gerät im Mittelpunkt. Zu den besonderen Stücken zählen ein romanisches Vortragskreuz mit einer Christusplakette aus Email aus dem 13. Jahrhundert und die gotische Virgil-Monstranz aus Rattenberg. Kelchvelen und Kaseln ergänzen die liturgische Sammlung; eine Dalmatika aus Niederndorf wird um 1720 datiert. Ein Teil der Werke kam als Dauerleihgabe aus Pfarren des Tiroler Unterlandes ins Museum; Eigentümer bleiben die jeweiligen Pfarren.

Die Sammlung reicht über kirchliche Kunst hinaus in die religiöse Volkskultur. Objekte der 1622 gegründeten Kitzbüheler Rosenkranzbruderschaft geben Einblick in gemeinschaftliche Frömmigkeit und Prozessionen. So ergänzen Gebrauchsgegenstände und Figuren die repräsentativen Skulpturen und Altargeräte. Der Überblick Museen in Tirol stellt das Haus in eine größere Auswahl archäologischer, historischer und naturkundlicher Sammlungen.

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Barocke Kirche und der „Augustinerhimmel“

Die Klosterkirche erhielt um 1695 bis 1697 ihre barocke Gestalt. Die Stuckateure Diego Francesco Carlone und Paolo d’Allio gestalteten sie zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus. Das Kuppelfresko „Augustinerhimmel“ vollendete Johann Josef Waldmann 1711. Es zeigt die Dreifaltigkeit sowie Heilige und Angehörige von Orden, die nach der Regel des heiligen Augustinus lebten. Das Werk gilt als erstes monumentales barockes Kuppelfresko Tirols.

Der Wechsel von spätgotischem Kreuzgang zu barocker Kirche macht mehrere Jahrhunderte Kunstgeschichte innerhalb derselben Anlage erfahrbar. Im oberen Geschoss ergänzen Gemälde und Skulpturen des 18. und 19. Jahrhunderts diese Entwicklung. Damit ist das Museum besonders für Besucher interessant, die nicht nur einzelne Kunstwerke, sondern auch ihren ursprünglichen architektonischen Zusammenhang sehen möchten.

Kirchturm und Dachstuhl als Architekturziele

Seit 2009/10 sind der Kirchturm und der Dachboden der Klosterkirche für Besucher erschlossen. Im Turm befinden sich Glocken aus mehreren Jahrhunderten sowie ein originales barockes Uhrwerk. Seine doppelte Fachwerkkonstruktion ist für Tirol ungewöhnlich. Von der obersten Turmstube reicht der Blick über die Dächer Rattenbergs und das Inntal.

Der Dachstuhl führt nahe an die Konstruktion über dem Kirchengewölbe heran. Von dort ist auch das Fresko aus einer ungewohnten Perspektive zu sehen. Diese Bereiche erweitern den Kunstbesuch um Bau- und Handwerksgeschichte: Gewölbe, Dachtragwerk, Glocken und Uhrwerk zeigen, wie unterschiedliche Teile des Klosters genutzt und gestaltet wurden. Die reguläre Saison endet am 26. Oktober; Führungen außerhalb der Öffnungszeiten sind nach Voranmeldung möglich.

Häufige Fragen zum Augustinermuseum

Was umfasst eine Führung?

Führungen dauern eine bis eineinhalb Stunden und vermitteln einen Überblick über die Standardsammlung und das Klostergebäude. Sie sind nach Voranmeldung möglich und können auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten stattfinden.