Stift Stams: Basilika, Museum und Klostergeschichte
Stift Stams im Oberinntal ist zugleich Zisterzienserkloster, Begräbnisort der Grafen von Görz-Tirol und bedeutendes Kunstensemble. Die heutige Anlage erschließt sich besonders über drei Perspektiven: die wechselvolle Geschichte des Klosters, die Ausstattung der Basilika und die Sammlungen im Stiftsmuseum.
Kurzfakten zu Stift Stams
- Graf Meinhard II. von Görz-Tirol stiftete das Kloster 1273 als Begräbnisstätte seiner Familie.
- Die Klostergemeinschaft bezog die heutige Anlage 1284.
- Die Stiftskirche trägt seit September 1984 den päpstlichen Titel Basilica minor.
- Der frühbarocke Lebensbaumaltar von Bartlmä Steindle entstand 1609 bis 1613 und ist 19 Meter hoch.
- Die heutige Museumsführung umfasst Basilika, Kreuzgang, Bernardisaal und Museum.
Vom mittelalterlichen Kloster zum barocken Ensemble
Die Gründung von 1273 erfolgte unter Graf Meinhard II. Das Mutterkloster der neuen Zisterze war Kaisheim. Nach elfjähriger Bauzeit zog die Gemeinschaft 1284 in die heutige Klosteranlage ein. Meinhard stattete das Stift mit Rechten und Schenkungen aus; 1295 wurde er gemeinsam mit seiner Frau in der Gruft der Stiftskirche beigesetzt. Im 14. Jahrhundert verwahrten die Stamser Patres zeitweise die Reichskleinodien.
Plünderungen in den Konflikten des 16. Jahrhunderts und ein Großbrand von 1593 prägten die Geschichte der Anlage. Zwischen 1650 und 1750 erhielt sie wesentliche barocke und rokokoartige Ausstattungen. Die beiden Zwiebeltürme, Deckenmalereien, Stukkaturen und schmiedeeisernen Gitter veranschaulichen diesen Wandel. Nach der Aufhebung durch die bayerische Verwaltung 1807 wurde das Kloster 1816 wiedererrichtet. Die nationalsozialistische Besetzung und Auflösung von 1938/39 unterbrach das klösterliche Leben erneut; 1945 begann ein neuer Abschnitt.
Basilika: Lebensbaumaltar, Rosengitter und Fürstengruft
Der 19 Meter hohe Lebensbaumaltar bildet den künstlerischen Schwerpunkt der Basilika. Bartlmä Steindle schuf das frühbarocke Werk 1609 bis 1613. 84 geschnitzte Figuren gruppieren sich in den Zweigen des Baums. Die Komposition führt vom Wurzelbereich bis zu Maria mit dem Jesuskind und den Darstellungen des Leidens und der Auferstehung Christi. Als Konzeption eines Lebensbaumaltars besitzt das Werk einen besonderen kunsthistorischen Rang.
Am Übergang von der Vorhalle zur Heilig-Blut-Kapelle liegt das Rosengitter von Bernhard Bachnetzer, vollendet 1716. Seine 80 schmiedeeisernen Rosen sind individuell gestaltet. Gegenüber dem Kircheneingang erinnert die Fürstengruft mit einer Kreuzigungsgruppe von Andreas Thamasch an die in Stams beigesetzten Tiroler Landesfürsten und ihre Familien. Fresken und Stukkaturen ergänzen das Ensemble: Johann Georg Wolcker malte die Gewölbebilder von 1730 bis 1734, Franz Xaver Feuchtmayr schuf die Stukkaturen.
Die Basilika zeigt damit unterschiedliche Formen religiöser Erinnerung: die Begräbnisstätte der Stifterfamilie, das Kenotaph-Ensemble und die theologische Bildsprache des Altars. Zum Vergleich höfischer Erinnerungskunst im Land bietet die Hofkirche in Innsbruck ein anderes historisches Beispiel. Die Geschichte von Schloss Tratzberg führt in die Bau- und Besitzgeschichte eines Tiroler Adelssitzes. Einen früheren Verkehrsweg durch den Alpenraum behandelt die Via Claudia Augusta in Tirol.
Museum und Besuch: Themen und saisonaler Zugang
Das Stiftsmuseum präsentiert ausgewählte Werke aus den Kunst- und Wissenssammlungen des Klosters. Sie dokumentieren die Verbindungen zur Tiroler Landesgeschichte sowie die politischen, geistlichen, künstlerischen und wissenschaftlichen Leistungen der Gemeinschaft und der mit Stams verbundenen Künstler. Die Werke eröffnen Einblicke in die Aufgaben und Beziehungen einer Zisterzienserabtei.
Von Juni bis September ist das Museum dienstags bis samstags vormittags und nachmittags geöffnet; an Sonn- und Feiertagen öffnet es nachmittags. Montag ist Ruhetag. In diesen Monaten finden Führungen montags bis samstags vormittags und nachmittags zu jeder vollen Stunde statt, an Sonn- und Feiertagen nachmittags. Von Oktober bis Mai ist der Museumsbesuch an die Stiftsführung gebunden, die donnerstags um 16 Uhr beginnt. Eine Führung schließt Basilika, Kreuzgang, Bernardisaal und Museum ein. Die Eintrittskarten werden im Klosterladen in der Orangerie verkauft.
Die Basilika kann mit dem Rollstuhl befahren werden.
Häufige Fragen zu Stift Stams
In welchen Sprachen finden die Führungen statt?
Die regulären Führungen werden auf Deutsch und Englisch angeboten. Führungen auf Französisch sind auf Anfrage möglich.
Welche Sprachen bietet der Audioguide?
Der kostenlose Audioguide lässt sich auf ein Mobiltelefon laden und ist auf Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch verfügbar.
Sind zusätzliche Führungen außerhalb der regulären Zeiten möglich?
Von Oktober bis Mai bietet das Stift zusätzliche Führungen auf Anfrage für Gruppen ab 15 Personen an. Am 24., 25. und 26. Dezember, am 1. Jänner sowie am Karfreitag und Karsamstag finden keine Führungen statt; zu Ostern gelten eingeschränkte Zeiten.